Heimatverein Pätz e.V.

Wiederherstellung des historischen Friedhofsareals

Die Idee zum Projekt

Schon als Kind beeindruckte mich der alte Pätzer Dorffriedhof. Diese urwüchsige, naturnahe Gemütlichkeit und Ruhe, hohe Bäume, Grabstätten aus vielen Epochen und die schöne Kapelle. Wenn ich mit meiner Oma die Familiengräber pflegte, kamen wir so schnell nicht wieder nach Hause. Gerade an den Sommerabenden war der Friedhof ein täglicher Kommunikationspunkt und daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Später dann, wenn ich mit meinen Kindern dort war (nun hatte ich die Gräberpflege übernommen), erkundeten wir die ganz alten Grabstätten im Wäldchen. Leider diente gerade dieses alte Areal zeitweilig einer Gruppe Jugendlicher als nächtlicher Treffpunkt, wobei etliche Inschrifttafeln zu Bruch gingen. Kurz nach der Wende gab es auch Sammler, die die Emaille-Bildnisse von den Grabmalen mitnahmen. Nachdem ich meinen Lebensmittelpunkt gänzlich nach Pätz verlegt hatte und 2011 den Vorsitz des Heimatvereins übernahm, entstand die Idee für unser Projekt. Es ist wie gemacht für die satzungsgemäße Vereinsarbeit. Erhaltung der Dorfgeschichte(n), das Erleben der Heimatverbundenheit und Traditionspflege lassen sich in dem Projekt wunderbar umsetzen. Zudem lässt sich so ein kulturhistorisches Denkmal in Pätz erhalten, das auch den einen oder anderen Touristen interessieren könnte. Eine kleine Broschüre mit Informationen zum Friedhof, dem historischen Teil, der Kapelle, den einzelnen alten Grabstellen sowie Überlieferungen drum herum, die eng mit der Pätzer Geschichte verbunden sind, ist ebenfalls geplant.

Der Werdegang

Es gab in all den Jahren mit dem kommunalen Träger, der Gemeinde Bestensee, viele, viele Gespräche, Korrespondenzen, Ortstermine, Genehmigungen und deren Rücknahmen. Schuld daran war natürlich die Finanzierung. Den Großteil der Kosten in den sechs Jahren hat der Verein allein getragen bzw durch freiwillige Arbeitseinsätze vermieden. Für die Freilegung der Grabstellen durch das Fällen etlicher großer Bäume konnten wir die Freiwillige Feuerwehr Pätz gewinnen. Wir konnten für 1 Jahr ein Projekt mit der JUMP-GmbH auf die Beine stellen um Unterstützung bei der körperlich schweren Aufräumarbeit (Stubben roden, Wege vorbereiten, Schutt beseitigen) zu haben. Der Hausmeisterservice Peter Wüstenberg begleitete uns während der gesamten Zeit persönlich und gerätetechnisch bei der Grünflächenpflege und der Entsorgung. Die Baufirma Harald Bergter übernahm Transporte, die Reparatur von Umrandungen und Fundamenten. Pätzer mit Fachkenntnis und entsprechenden technischen Voraussetzungen unterstützten uns bei der Trittsteinverlegung, der Absicherung der 5 standunsicheren Grabsteine, dem Anfahren von Muttererde. Periodisch im Frühjahr und Herbst fanden größere Arbeitseinsätze statt, kleinere vereinsinterne zwischendurch. Die Gemeinde stellte uns 2015 die Gehwegplatten und 2016 einen Schuttcontainer zur Verfügung.

Viel Freizeit und etliche finanzielle Mittel wurden eingesetzt, um unser Vorhaben trotz aller Widrigkeiten voran zu bringen. Im Juni 2016 während eines Ortstermins mit Ordnungsamt und Friedhofsverwaltung wurden etliche Festlegungen getroffen. Die sich daraus ergebenden Aufgaben für uns haben wir während des Arbeitseinsatzes im Herbst 2016 erfüllt: Beseitigung von Gefahrenstellen durch Abbau defekter Umrandungen und Schuttbeseitigung, Fällung von bruchgefährdeten Bäumen. Auch die Auflage, ein aktuelles Konzept zu schreiben, habe ich realisiert.

Der aktuelle Stand

Seit Sommer 2014 geht es um die Finanzierung eines Steinmetzes, der 5 standunsichere Grabsteine nach „TA Friedhof“ befestigt. Die Kostenvoranschläge testieren 4.000 € dafür. Am 30. Mai 2017 sprachen sich die Mitglieder des Ordnungsausschusses einstimmig für die Erhaltung der Grabstellen aus und empfahlen die Bereitstellung der 4 T€.  Eine neue Kostenberechnung vom 1.Juni 2017 seitens des Ordnungsamtes im Auftrag des Bürgermeisters, Herrn Quasdorf, ergab nun 16.100€. Darin enthalten sind u.a. Kostenfaktoren wie Wegebau (3T€), Grünflächenpflege (2T€) und Wiederherstellung des „Totengärtchens“ (3T€). All das sind Bestandteile unseres Projektes und des angedachten Pflegevertrages zwischen Gemeinde und Heimatverein.  Die Gelder sind mit Unterstützung von Jürgen Ostländer nach dem Beschluss der Gemeindevertreterversammlung nun in den Haushalt 2018 eingestellt.

Im Januar 2018 hatten wir auf unsere Bitte und mit Unterstützung von Thomas Irmer Besuch von der Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur Frau Dr. Martina Münch, die sich unser Projekt vor Ort ansah. Ebenfalls anwesend war die SPD-Landtagsabgeordnete Tina Fischer. Wir erläuterten unser Konzept, Hintergründe und Schwierigkeiten. Frau Dr. Münch und Frau Fischer würdigten unseren gemeinnützigen Einsatz und befanden den Erhalt dieser Kulturstätte als wichtig. Beide sagten uns ihre Unterstützung zu und machten Vorschläge für die Umsetzung des Projekts. Im April dieses Jahres war es so weit: ein Steinmetz aus Berlin mit Spezialgebiet „alte Grabmale“ nahm sich der Wackelsteine an und befestigte sie. Sofort bliesen wir zum Arbeitseinsatz um den längst fälligen Frühjahrsputz nachzuholen. Das fand dann am 12. Mai statt. Wir räumten Laub weg, schnitten Sträucher und das Gras. Felder von Margeritten und Akelei wurden kenntlich gemacht und so vor dem Freischneider verschont. Auch der Efeu hat sich schon wieder gut erholt und wir fördern den Bewuchs mit der ansässigen Vegetation. Nun kann man sich schon viel besser vorstellen, wie das Areal einmal aussehen soll. Wir haben innerhalb der Umrandungen die ersten Bodendecker gepflanzt und pflegen sie fleißig damit sie anwachsen können. Es gab auch schon einiges an Lob von den Pätzern.

Ausblick

Aber noch ist unser Projekt nicht abgeschlossen. Das Totengärtchen muss noch aufgearbeitet werden und die Pflanzen sollen sich weiter erholen und ausbreiten. Wir haben ganz locker für das nächste Jahr die Einweihung des „Historischen Friedhofsteils in Pätz“ geplant. Mal sehen, ob es gelingt oder noch ein Jahr verschoben werden muss.

Nach dieser langen Vorrede möchte ich Sie bitten, sich bei Interesse unser Konzept anzusehen. Ich würde mich sehr über ein feedback unter britta_beyer@gmx.de oder telefonisch 0178 64 65 243  freuen. Kritik oder Lösungsvorschläge, Lob oder Unterstützung, alles ist willkommen.

Mit herzlichem Dank für das Interesse, Britta Beyer (Stand Juni 2018)

Konzept des Heimatverein Pätz eV zur „Wiederherstellung des historischen  Friedhofsareals in Pätz“

Einleitung

Friedhöfe sind nicht nur Begräbnisstätten. Sie sind geprägt von Abschiednehmen und Trauer, aber auch von Erinnerung, Ruhe und Einkehr. Deshalb wurden sie von jeher so gestaltet, dass Besucher dort gern verweilen und Entspannung finden können. Daraus hat sich eine Friedhofskultur, die Sepulkralkultur, entwickelt. Grabstätten sagen in ihrer Anlage viel über die Verstorbenen und die gesellschaftlichen Bedingungen aus, in denen diese gelebt haben. Ahnenforscher (Genealogen) finden ausführliche Familienangaben auf den Grabplatten. Aus einem zusammenhängenden Begräbnisfeld kann man auch demografische Schlüsse ziehen, z.B. über hohe Kindersterblichkeit oder das Auftreten von Epedemien (Tuberkulose in Pätz um 1912). Wir haben in Pätz die Voraussetzungen, interessierten Besuchern diese Einblicke gewähren zu können. Auf dem Pätzer Friedhof existieren, dank jahrzehntelanger Nichtbeachtung, zahlreiche alte Grabstellen. Es sind Grabmale, vorwiegend aus Sandstein, die ein Alter von um die 100 Jahre ausweisen. Bis 2010 standen und lagen sie versteckt in einem Dickicht aus Pappeln, Fliederbüschen und anderem unzugänglichen Wildwuchs. Die alten Grabmale sind geprägt von der Handwerkskunst der Steinmetze und Schmiede, kaum eines ist wie das andere. Pätz ist durch seine besondere Lage als Runddorf ohne Durchgangsverkehr etwas Besonderes. Viele „Altpätzer“ haben gemeinsame Familiengeschichten, die sich auch auf dem Friedhof widerspiegeln.

Im Statut des Heimatvereins Pätz ist u.a. die Pflege von Traditionen, Kunst und Kultur verankert. Die Wiederherstellung des historischen Friedhofsteils vereint traditionellen Umgang mit dem Tod, Handwerkskunst und Friedhofskultur miteinander. So entstand die Idee für dieses Projekt, das 2011 in die Arbeitsplanung des Heimatvereins aufgenommen wurde.

Werdegang

In Einvernehmen mit der Friedhofsverwaltung der Gemeinde Bestensee wurden vom Heimatverein ab 2011 in zahlreichen Arbeitseinsätzen Freiwilliger und der Pätzer Feuerwehr Bäume und Wildwuchs beseitigt.

Die alten Gräber wurden frei gestellt. Die Dubrow GmbH plante die Wege, das Material stellte die Gemeinde Bestensee zur Verfügung. Leider bestand es aus Wegeplatten, die mit 25 kg von uns nicht zu bewältigen und allgemein als durchgehende Wege auch viel zu groß waren. In Absprache mit der Gemeinde begannen wir 2014 mit der Verlegung der Wegeplatten als Trittsteine. In Zusammenarbeit mit der JUMP GmbH wurde 2012 ein Projekt erstellt, in dem über den Zeitraum von einem Jahr Stubben gerodet, Grabsteine gesichert und die Wege grob vorbereitet wurden. Die Kosten für den Einsatz eines Minibaggers trug der Heimatverein. Jetzt ist das Areal so weit vorbereitet, dass mit der „Feinarbeit“ begonnen werden könnte. Das heißt: Bepflanzung mit pflegeleichten Bodendeckern, Einrichten einer Sitzecke mit Info-Tafel.

5 Grabsteine, die aufrecht stehen, sind nicht standsicher, was bei der Zugfestigkeitsprüfung auffiel. Nach der Beratung der Sachlage in der Gemeinde beschlossen wir, bei einem Steinmetz einen Kostenvoranschlag einzuholen. Das tat der Heimatverein im August 2015. Die Firma Gaul machte nach Besichtigung ein Angebot in Höhe von 3500 € für die Befestigung von 6 Grabsteinen. Allerdings sollten die Steine verklebt werden, was zwar den Preis niedrig hält, aber nicht der TA Friedhof entspricht.

Weiteres Vorgehen

Der Vorschlag des Heimatvereins ist es, einen erneuten Kostenvoranschlag von der Fa. Gaul einzuholen, der die Befestigung der Grabsteine nach TA Friedhof beinhaltet. Je nach finanziellem Aufwand werden die 5 Grabsteine befestigt. Die übrigen, nicht standfesten Grabmale werden heruntergenommen und an den zugehörigen Grabstellen liegend präsentiert. Sie sollen nach und nach wieder hergestellt werden. Eine Grundsanierung (sandstrahlen, aufpolieren) ist zu vermeiden, denn dadurch geht der morbide Charakter der Steine und Platten verloren. Grabmale mit zugehörigen Umrandungen bleiben als Ensembles bestehen. Umrandungen ohne Grabsteine werden vom Heimatverein abgetragen und von der Gemeinde entsorgt.

Mit der Gemeinde wird nach  versicherungstechnischen Gesichtspunkten und dem erarbeiteten Wegeplan die Anlage der Wege abgesprochen. Die weitere Verlegung einzelner Trittsteine können wir vereinsintern im Rahmen von Arbeitseinsätzen zu Ende führen.

Nach der Sicherung der Grabsteine und dem Bau der Wege möchten wir auf der Freifläche robusten pflegeleichten Rasen anlegen, auf dem eine Sitzbank positioniert werden soll. An dieser Stelle kann der Besucher inmitten der historischen Grabanlage Ruhe finden. Dort wollen wir eine Tafel mit Informationen über diesen Teil des Friedhofs installieren. Die Kosten für die Gestaltung der Grünflächen und Grabstellen mit pflegeleichten Bodendeckern und robustem Rasen übernimmt der Heimatverein. Ebenso die Kosten für die Anschaffung einer Bank und die Herstellung der Infotafel.

Die Kosten für die Rekonstruierung der niedergelegten Steine würden teilweise vom Haushalt der Gemeinde und teilweise durch Spendensammlungen und Sponsoring über den Heimatverein gedeckt werden. Das allerdings ohne Zeitrahmen. Ebenso ist geplant, in Eigenleistung die umzäunte Grabstelle des Gutsherren Fischer (das „Totengärtchen“) zu richten und aufzuarbeiten. Das kann allerdings erst nach Verrotten des Stubbens an der einen Ecke begonnen werden, da man sonst mehr Schaden als Nutzen machen würde.

Ferner könnte über einen Pflegevertrag zwischen Gemeinde Bestensee als öffentlichem Träger und dem Heimatverein Pätz nachgedacht werden.

Schlussbetrachtung

Kostengünstigere Varianten wie das Aufreihen der schrifttragenden Teile der Grabsteine im Liegen oder die Verwendung der steinernen Baumstämme als Begrenzung der Sitzfläche würden das Areal zerstören und den kulturhistorischen Wert zunichte machen.

Dieses Ensemble alter Grabstellen auf dem Friedhof in Pätz ist in der Gegend einzigartig und könnte für interessierte Fahrrad-, Bade- und anderen Touristen ein lohnendes Ausflugsziel darstellen. Die Gemeinde Bestensee hätte damit eine Attraktion mehr.

Britta Beyer
September 2016

Planung

2016
  • Herbst-Subbotnik (08.10.2016)
    • Entfernen defekter und steinloser Grabumrandungen (Container wird von Gemeinde gestellt)
    • Weiterführung der Wege (Plattenverlegung), so weit möglich
    • Gehölzschnitt
    • Wildwuchsbeseitigung mit Freischneider
    • Auffüllen der Unebenheiten mit Mutterboden (Kosten trägt der HV)
    • Fällen von Buchsbaum und Koniferen an zu drehenden Grabmalen
    • Installieren des schmiedeeisernen Zaunteiles von der beräumten „Kerstan“-Grabstelle am Grabmal von Anna und Albert Briesenick, dessen Pflege vom Heimatverein übernommen wurde (Friedhofsmauer; nach Absprache bei Ortsbegehung am 06.06.2016)
  • Einholen von Kostenvoranschlägen zur Befestigung der 5 wackelnden Grabsteine bei einigen Steinmetzen durch Gemeinde
 2017
  •  Frühjahrs-Subbotnik
    • Laubbeseitigung, Gehölzschnitt
    • Pflege der vorhandenen Vegetation (Maiglöckchen, Efeu, Hecke)
  •  wenn die 5 Grabsteine befestigt sind, Gestaltung des umgebenden Areals:
    • letzte Gehwegplatten legen, Abtransport der übrigen
    • Anlage der Rasenfläche für Bank, Blumenschale und Info-Tafel
  •  im Jahresverlauf:
    • sanfte Befreiung der Grabmale von Verunreinigungen (Moos etc.)
    • Reparatur und Einfügen der defekten Namensplatten
  • Abschluss eines Pflegevertrages für die historischen Grabstätten auf dem Friedhof Pätz zwischen Gemeinde Bestensee und Heimatverein Pätz.
2018
  • wenn die angelegte Rasenfläche gefestigt ist, Aufstellen einer Bank und einer Blumenschale (Kosten trägt der HV)
  • Permanentpflege der historischen Grabstätten
  • (Gehölzschnitt, Gießen, Mähen, Laubbeseitigung)
  • nach Verrotten des Baumstumpfes am „Totengärtchen“:
    • Baumstumpfreste entfernen
    • Umzäunung ausrichten und aufarbeiten
    • Tür gangbar machen
  • Infotafel oder -kasten zusammenstellen und installieren (Kosten trägt der HV)
  • Eingangsschild zum Rundgang, Sperrschild hinten
2019
  • Frühjahrs-Subbotnik im Mai, danach:
  • offizielle Eröffnung des historischen Friedhofsareals Pätz